INGRID WEIDIG



La Revedere România - Auf Wiedersehen Rumänien 1991 - 97

Ausstellung in der Galeria de Arta, Helois Timisoara

 

Ansicht der Ausstellung

Ausstellungansicht, zur Ausstellung erschien ein Katalog

mit einem Vorwort von Dr. Gabriele Uelsberg, Mülheim a.d. Ruhr und

Iliana Pintilie, Timisoara

 

 

 

Die Fotografien und Texte dieses Tagebuchs sind Auszüge aus dem Katalog "ROMÂNIA", der anlässlich der Ausstellung in der Galeria de Arte Helios in Timisoara im Mai 1997 herausgegeben wurde.

 

Pressebericht: Text aus der Frankfurter Rundschau zu "România" 12/2000

Ich reise weit fort in das Land der Diebe und Gespenster“, sagte der junge Kaufmann Hutter, als er sich anschickte, den Grafen Dracula zu besuchen, in dessen Schloss in den Karpaten. Dieser Satz aus dem alten *Nosferatu*-Film kam der Künstlerin Ingrid Weidig in den Sinn, als sie selbst unterwegs war in Transsylvanien. Auf einer Wanderung quer durchs Fagaras-Gebirge, auf Pfaden, die Namen tragen wie *Strunga Dracului* – „Teufelsklamm“. „Vielleicht hat mich das auch ein bisschen angezogen“, sagt sie und lacht. Die schroffen Felsen, die bizarren Formationen, die Wolkenfetzen – „ein bisschen gruselig“ war das schon. Wären da nicht die Menschen gewesen. Freundliche, offenherzige Rumänen wie Nicu und Ion, die beiden Hirten, die der deutschen Wandersfrau in 1600 Metern Höhe begegneten. Sie halfen beim Feuermachen, gut so, denn „fast alles hätte ich falsch gemacht.“ Und sie erzählten.

Solche Geschichten vom Alltag in Rumänien hat Ingrid Weidig in den 90er Jahren auf mehreren Reisen gesammelt. Töne und Bilder „aus einer unglaublich spannenden Zeit, in der sich viel entwickelt hat“. Die aber auch ihr Entsetzen darüber spiegeln, „was die Machtgier eines unfähigen Diktators hier angerichtet hat.“

Dabei war es Zufall, dass die in Essen lebende Künstlerin im Oktober 1990 erstmals nach Rumänien kam. Mit einem Konvoi des Malteser Hilfsdienstes, Ziel: Timisoara, die verwahrlosten Kinderheime. Weidig sollte das Elend dokumentieren, um in Deutschland mehr Spender zu motivieren. Aber bei den Heimen wollte sie nicht stehen bleiben. „Irgendwie hat’s klick gemacht“, und eine „unglaubliche Neugier“ auf das Land und seine Bewohner erwachte.

Sieben Jahre lang erforschte sie den Alltag in Städten, Dörfern und menschenleeren Landstrichen. Manches wirkt noch heute „skurril, was für die Leute dort aber Alltag war“. Wie die grasenden Pferde mitten in der Betonsiedlung in Cluj-Napoca, zu deutsch Klausenburg, eine Stadt in Siebenbürgen. Die frei herumlaufenden Tiere wurden bald Teil von Weidigs Alltag: Sie selbst lebte zeitweilig im vierten Stock des sozialistischen Hochhaus-Komplexes, in einer Wohnung des Hilfsdienstes.

Seltsam bleibt auch die Erinnerung an das Café in Victoria, einer Kleinstadt am Nordhang der Karpaten. Am Ende einer langen Wanderung strandete Weidig dort 1993, die Lokführer streikten. Und die Café-Bedienung auch. Kaffee kochen? Keine Lust. Wo es doch Coca Cola gibt. „Eine Mentalität, die wir damals noch häufig angetroffen haben“, in einem Land, das sich aus sozialistsicher Misswirtschaft im Eiltempo zum Marlboro-Country entwicklen wollte. Als Mickey Mouse-Figuren und Cola-Büchsen in die alten Cafés einzogen, spürte Weidig: „Irgendwas war da zu Ende.“

Ihre gesammelten Fotografien und Tonaufnahmen hat Weidig zu der Multimedia-Installation „Romania“ verarbeitet. Auch in Timisoara hat sie ihre Bilder gezeigt. Die Reaktionen: „von Zustimmung bis zu boshaften Drohungen.“ Manchem Betrachter schien es anmaßend, dass sich eine deutsche Künstlerin so stark an den rumänischen Alltag annähert. „Recht haben sie, irgendwie“, sagt Weidig nachdenklich. Es bleibe einfach schwierig.

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